Rassestandards
     

Herkunft und Geschichte der Rasse

Ein Westie ist die ideale Kombination von Stärke und Kuscheltier. Diesen Widerspruch kann nur vertehen, wer sich die Landschaft und die Gechichte der Vorfahren dieser schottischen Hunderasse vor Augen hält, in der sie entstanden ist. Die Landschaft ist karg und steinig, endlose Heideflächen, große Hochmoore, klare Gebirgsseen und von vielen Flüssen und Bächen durchzogen. Wenn etwas wächst, ist es ein härtliches Gras oder dorniges Gestrüpp. Die Westküste wird von den Stürmen des Atlantiks gepeitscht. Die Feldwände sind steil und stark zerklüftet. Hier herrscht ein rauhes Klima.

 

Die Flüsse und Seen sind sehr fischreich. Davon profitieren die Fischotter, die an den steinigen Ufern hausen. In den tiefer gelegenen Waldstreifen und in der Heide und den Hochmooren lebten Hirsche, Rehe, besonders jedoch Hasen und Hühnerwild. Davon profitierte das Raubwild wie Fuchs und Dachs. Diese finden, nicht wie bei uns in Erdbauten, Unterschlupf im Feldgestein, in Geröllhaufen und Höhlen unter Felsgestein, wo kein Jäger sie ausgraben kann. Hier ist ein Terrier auf sich alleine angewiesen ! Auf seinen Mut, seine Kraft, seine Zähigkeit und sein Körpergeschick. Während Dachse echte Höhlenbewohner und am Tage nicht im Freien anzutreffen sind, muß ein Terrier den Fuchs oft über steinigen, unebenen Boden über Steinfurchen verfolgen. Mut und Unerschrockenheit sind unerläßlich, um einen Räuber aus seinem Bau herauszujagen. Sieht der Räuber keinen Ausweg, weil er den Jäger vor den Ausgängen gewittert hat, so wird er sich bis zum letzten verteidigen. Viele Terrier mußten ihr Leben lassen, wenn sie unterlagen. 

Als diese noch ausschließlich zu Jagdzwecken gezüchtet wurden, testete man schon Jagdhunde auf Wesen und Raubzeugschärfe. Da die Jäger zu Fuß mit ihrer Hundemeute über längere Strecken dem Wild folgen mußten, konnte man Beißreien unter den Jagdhunden auf keinen Fall dulden. Versagte ein Terrier bei einem oder gar beiden Tests, so überlebte er nicht. Diese frühe Auslese hat großen Einfluß auf den jetzigen, angenehmen Charakter des Westies gehabt.

Bereits aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind Bilder und Schriften bekannt, die auf einen kleinen, weißen Terrier mit keckem Ausdruck hinweisen. Während noch Anfang diesen Jahrhunderts diese Hunde vor allem mit den Scottish-Terriern und erdfarbenen Terriern, aus denen die Crain-Terrier entstanden, verpaart wurden, brachte der Schottische Kennelclub 1904 den ersten Standard heraus und im Januar 1905 wurde der erste Rasseclub in Glasgow mit dem Namen "White West Highland Terrier Club" gegründet. der erste Präsident dieses Klubs wurde Colonel Malcolm of Poltalloch, dessen Familie bereits seit Jahrzehnten Hunde diesen Tps zur Jagd benutzte. Der "West Highland White Terrier Club of England" wurde etwas später ebenfalls 1905 gegründet. Der englische Kennel-Klub erkannte die Rasse im Jahre 1907 an.

Colonel Malcolm Poltalloch

Die beiden Klubs und ihre Züchter setzten in den ersten Jahrzehnten den vom Rassestandard geforderten Typ des West Highland White Terriers durch. 1907 wurden die ersten 3 Hunde zu Champions und die ersten 141 Hunde wurden beim englischen KennelClub eingetragen. Von 1907 bis 1916 wurden 16 Hunde zum Champion und um die 400 Hunde eingetragen. Zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg wurden jährlich zwischen 600 und 750 Hunde beim Kennel-Club registriert. Der dominierende Zwinger dieser Jahre, der auch einige wenige Hunde über den zweiten Weltkrieg retten konnte, war Mrs. Pacey mit ihrem "Wolvey"-Zwinger. Sie züchtete insgesamt 58 englische Champions. Der einzige Rüde, der den zweiten Weltkrieg in Großbritannien überlebte und zur Zucht eingesetzt wurde, war "Hookwood Mentor". Großen Einfluß auf die Zucht kurz nach dem zweiten Weltkrieg hatten die Zwinger "Branston" von Mr. u. Mrs. Dennis, sowie später "Quarkertown", "Pillerton" und "Whitebriar".

Sowohl die heutigen, teilweise noch aktiven Zwinger mit ihren Hunden in Großbritannien, sowie auch zwangsweise unsere Westies basieren auf Hunden aus diesen Zwingern.

 

Entwicklung in Deutschland

Im Jahr 1912 wurde der erste West Highland White Terrier in ein deutsches Zuchtbuch eingetragen. Es war die 1907 in England geworfene Hündin "Pertisau White Rattle", die in das Zuchtbuch für Schottische Terrier vom damaligen Klub für Rauhhaarige Terrier eingetragen wurde. Erst 1925 wurde diese Hündin dann als erste in das eigene Zuchtbuch für West Highland White Terrier eingetragen.

Nach dem ersten Weltkrieg wurden dann noch einige Westies importiert und auch die erten Würfe wurden registriert. Eine der bekanntesten Züchter begann 1924 mit der Westie-Zucht in Deutschland. Es war Frau Gerdes-Melloh mit ihrem "Marotte"-Zwinger, die noch bis in die 50er Jahre erfolgreich unsere Rasse züchtete und ausstellte. Populär wurde der Westie jedoch nicht, die Ursache könnte in dem Trimmverbot bis 1937 und der Ähnlichkeit des Kopfes in diesen Jahren mit dem der Spitze liegen.

Bis 1950 waren nur 1318 West Highland White Terrier in das Zuchtbuch eingetragen. Im und nach dem zweiten Weltkrieg begannen dann Pioniere mit der Zucht in Deutschland. Im Jahr 1975 war dann die Zuchtbuchnummer 1964 erreicht.

Der steile Aufstieg der Rasse begann erst danach, ähnlich wie auch in unseren Nachbarländern. Einige der heute noch aktiven "älteren" Zwinger wurden in diesen Jahren gegründet und gaben der Westiezucht in Deutschland einen beträchtlichen qualitativen Schub. Die heute auf vielen nationalen und internationalen Zuchtschauen anzutreffenden Züchter und erfolgreichen Ausstellern mit ihren Zwingern gründeten meist Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre ihre Zwinger, züchten bis heute erfolgreich und sorgen so für einen starken Wettbewerb.

Wie stark das deutsche Westie-Potential derzeit ist, wird auf den jährlichen FCI-Weltsiegerausstellungen und FCI-Europasiegerausstellungen, sowie allen bedeutenden Internationalen Ausstellungen in unseren Nachbarländern bewiesen, bei denen unsere Hunde stets einige Titel unter stärkster internationaler Konkurrenz mit nach Hause nehmen konnten.

 

FCI

Standard des West Highland White Terriers

FCI - Standard Nr. 85 / 20.01.1998

Allgemeines Erscheinungsbild:
Kräftig gebaut, tiefe Brust und weit nach hinten reichende Rippen; ebener Rücken, kraftvolle Hinterhand mit muskolösen Läufen, die in hohem Maße eine großartige Verbindung von Kraft und Aktivität zum Ausdruck bringt.

Verhalten und Charakter (Wesen)
Klein, aktiv, unerschrocken, robust, mit beträchtlichem Selbstvertrauen ausgestattet und einem Auftreten, das Raubzeugschärfe erkennen läßt. Wachsam, fröhlich, mutig, selbstbewußt aber freundlich.

Kopf
Abstand zwischen Hinterhauptbein und Augen geringfügig größer als die Länge des Vorgesichts. Kopf reichlich mit Haar bewachsen und im rechten Winkel oder weniger zur Halsachse getragen. Kopf sollte nicht vorgestreckt getragen werden.

Oberkopf
Schädel: Leicht gewölbt, Stirnpartie mit glatten Konturen. Oberkopf vom Ohrenansatz zu den Augen hin geringfügig schmaler werdend.
Stop: Deutlich; aus starken Wülsten der Stirnknochen gebildet, die unmittelbar oberhalb der Augen etwas vorstehen und zwischen den Augen eine leichte Vertiefung aufweisen.

Gesichtsschädel:
Nasenschwamm: Schwarz und ziemlich groß; mit dem übrigen Fang eine fließende Linie bildend; Nase nicht spitz vorstehend.
Fang: Von den Augen bis zur Nasenspitze hin allmählich schmaler werdend. Vorgesicht unter den Augen nicht eingefallen oder stark abfallend, sondern gut ausgefüllt.
Kiefer / Zähne: Kiefer kräftig und von gleicher Stärke. Zwischen den Fangzähnen so breit, wie es mit dem verlangten Ausdruck von Raubzeugschärfe vereinbar ist. Die Zähne sind im Verhältnis zur Größe des Hundes groß, mit regelmäßigem Scherengebiß, wobei die obere Schneidezahnreihe ohne Zwischenraum über die untere greift und die Zähne senkrecht im Kiefer stehen.
Augen: weit voneinander angeordnet, mittelgroß, nicht groß und rund, so dunkel wie möglich; etwas tiefsitzend, wachsam und intelligent, unter buschigen Augenbrauen hervorguckend; dies bewirkt einen durchdringenden Blick. Helle Augen höchst unerwünscht.

Hals:
Lang genug, um die geforderte Kopfhaltung zu ermöglichen; muskulös; zum Ansatz hin allmählich breiter werdend, wodurch der Hals übergangslos in die gut zurückliegenden Schultern einmündet.

Körper: Kompakt.
Rücken: Eben.
Lenden: Breit, kräftig.
Brust: Tief, Rippen in der oberen Hälfte gut gerundet, an den Körperseiten abgeflacht wirkend. Hintere Rippen weit zurückreichend; Abstand zwischen der letzten Rippe und der Hinterhand so kurz, wie es mit einer freien Bewegung vereinbar ist.

Rute:
12,5 bis 15 cm lang; mit hartem Haar bedeckt, ohne freie Befederung; so gerade wie möglich und forsch, jedoch nicht lustig oder über den Rücken gezogen getragen. Eine lange Rute ist unerwünscht und Ruten dürfen in keinem Fall kupiert werden.

Gliedmaßen

Vorderhand:
Vorderläufe kurz, muskulös und im oberen Teil breit und gerade, dicht mit kurzem, hartem Haar bewachsen.
Schultern: Schräg zurückliegend. Schulterblätter breit und eng am Brustkorb anliegend. Buggelenk gut nach vorne gelagert.
Ellenbogen: Eng anliegend, wodurch eine frei Bewegung der Vorderläufe parallel zur Körperachse ermöglicht wird.

Hinterhand:
Kräftig, muskulös und im oberen Teil breit. Läufe kurz, muskulös und mit starken Sehnen.
Oberschenkel: Stark bemuskelt und nicht zu weit auseinanderstehend.
Sprunggelenke: Gut gewinkelt und gut unter den Körper gestellt; in Stand und Bewegung ziemlich dicht nebeneinander. Steile oder schwache Sprunggelenke äußerst unerwünscht.

Pfoten:
Vorderpfoten größer als die hinteren; rund von angemessener Größe, kräftig, mit dick gepolsterten Ballen; mit kurzem, harten Haar bedeckt. Die Hinterpfoten sind kleiner und haben dick gepolsterte Ballen. Unterseiten der Ballen und alle Krallen vorzugsweise schwarz.

Gangwerk:
Frei, gerade und rundherum flüssig. Die Vorderläufe werden aus der Schulter heraus raumgreifend nach vorne bewegt. Bewegung der Hinterhand frei, kraftvoll und nahe nebeneinander. Sehr biegsame Knie und Sprunggelenke und gut unter den Körper greifende Sprunggelenke bewirken den Schub. Steife, stelzige Bewegung der Hinterhand und Kuhhessigkeit höchst unerwünscht.

Haarkleid

Haar:
Doppeltes Haarkleid. Das Deckhaar besteht aus ca. 5 cm langem, harschem Haar ohne jegliches Zeichen von Locken. Unterwolle pelzartig, kurz, weich und dicht. Offenes Haar äußerst unerwünscht.
Farbe: weiss

Größe:
Schulterhöhe ca. 28 cm (11 ins.)

Fehler:
Jede Abweichung von den genannten Punkten sollte als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.

N.B.:
Rüden sollten zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.